Wer hätte das gedacht? Mit einem 27:26 (14:12)-Erfolg über Dänemark holte sich Deutschland den Bring Cup 2010. Neben dem eigenen Erfolg war einer von Norwegen im letzten Spiel über Schweden vonnöten. Und den schafften die Gastgeber beim 37:35 prompt. „Der Turniersieg der deutschen Mannschaft ist verdient, weil sie es geschafft hat, im entscheidenden letzten Spiel eine bravouröse Leistung mit viel taktischer Disziplin zu zeigen“, freute sich Markus Baur, Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2007, der für Eurosport vor Ort weilte.
Dies wird auch bei einem Blick auf das All-Star-Team des Turniers deutlich. Hier stehen mit Silvio Heinevetter, Pascal Hens und Sebastian Preiß gleich drei deutsche Spieler unter den besten Sieben.
Heiner Brand überraschte den Europameister von 2008 mit einer offensiven 3:2:1-Abwehr, bei der Michael Haaß als Spitze fungierte, Steffen Weinhold und Matthias Flohr die Halbpositionen bekleideten. Dabei agierten diese drei Spieler oft noch vor der eigenen 9-Meter-Linie. Die Dänen waren davon so überrascht, dass sie gleich mit 0:4 und 1:5 zurücklagen. Eine frühe Zwei-Minuten-Strafe für Steffen Weinhold durchkreuzte aber die Taktik des DHB-Teams. Nach 16 Minuten stand es 5:6, wobei sich vor allen Dingen Linkshänder Mats Christiansen mit drei Toren in Folge an der Aufholjagd beteiligte. Doch die deutsche Sieben ließ sich davon nicht beeindrucken und übernahm wieder die Führung und baute diese bis zur 29. Minute auf 14:10 aus. Zwei schnelle Gegentreffer der Dänen markierten den Halbzeitstand von 14:12.
Auch im zweiten Durchgang blieb das deutsche Team seiner offensiven Abwehrausrichtung treu. Zunächst aber kamen die Dänen zu drei Treffern in 90 Sekunden und blieben bis zum 17:16 in Front. Dann folgten sechs Treffer der couragiert auftretenden deutschen Mannschaft bis zum 22:17 in der 45. Minute. Doch nur fünf Minuten später waren die Dänen beim 21:22 wieder herangekommen. Und auch diesmal hielt die deutsche Mannschaft unter Führung des umsichtigen Michael Haaß dagegen. Sechs Minuten vor Schluss stand es 25:21 und das deutsche Team konnte wieder vom Turniersieg träumen. Die Dänen taten sich im Positionsangriff weiter schwer, machten viele technische Fehler, nutzten ihrerseits aber jede kleine Unaufmerksamkeit des deutschen Angriffs konsequent. Allein acht Tore aus Tempogegenstößen standen in der zweiten Halbzeit für die Skandinavier zu Buche.
Nicht nur in dieser Phase war Silvio Heinevetter der große Rückhalt seiner Mannschaft. Insgesamt parierte der Berliner 20 Würfe, darunter ein Siebenmeter. Aber auch er konnte nicht verhindern, dass die Dänen noch einmal herankamen. 25:24 stand es nach 57 Minuten. Taktisch diszipliniert brachte das deutsche Team den Sieg ins Ziel.
„Ich bin froh, dass wir heute wieder ein besseres Spiel gezeigt haben. Schön, dass es gereicht hat”, sagte Kapitän Pascal Hens. „Leider zeigt sich immer wieder, dass wir im Angriff noch nicht die nötige Geduld aufbringen und unser Spiel dadurch großen Schwankungen unterworfen ist.“ Bundestrainer Heiner Brand sprach von zwei guten und einem sehr schlechten Spiel bei Bring Cup 2010. „Wichtig aber war, dass wir gesehen haben, dass es geht, wenn die Mannschaft verinnerlicht, dass Einsatz und Einstellung sowie taktische Disziplin Grundlagen für den Erfolg sind.” Silvio Heinevetter, zum besten deutschen Spieler gekürt, brachte es auf den Punkt: „Wir wollten gewinnen, wir haben gewonnen, und das durch den Kampf, der gestern noch gefehlt hat.“
Deutschland – Dänemark 27:26 (14:12)
Deutschland: Heinevetter, Katsigiannis (n.e.); Schöne, Groetzki, Glandorf (4), Weinhold (3), Haaß (5/3), Strobel (1), Kneer (n.e.), Hens (2), Christophersen (4), Klein (n.e.), Gensheimer (2), Preiß (3), Flohr (3), Roggisch.
Dänemark: Jacobsen (31.-53.), Rasmussen; Mads Christiansen (6), Boesen (1), Markussen (2), Andersen (1), Anders Eggert Jensen (1), Spellerberg (3), Madsen , Lasse Svan Hansen (3), René Toft Hansen (1), Henrik Møllgaard Jensen (2), Hundstrup (3), Kasper Nielsen, Mads Nielsen, Henrik Toft Hansen (3).
SR: Andersen/Sodal (Norwegen) – Z: 740 in Drammen – Siebenmeter: 3/3:1/0 (Heinevetter hält gegen Andersen ) – Strafminuten: 6:8 Minuten (Weinhold/zweimal, Haaß – Rene Toft Hansen, Madsen/zweimal, Boesen) – Spielfilm: 4:0 (8.), 5:1, 5:6 (16.), 7:6, 7:8, 8:9, 14:10, 14:12 – 14:15, 16:17, 22:17 (45.), 22:21 (50.), 25:21 (54.), 25:24 (57.), 27:26. Beste Spieler: Heinevetter, Haaß – Christiansen.
Abschlusstabelle des Bring Cup:
1. Deutschland 4:2 Punkte
2. Dänemark 4:2 Punkte
3. Norwegen 2:4 Punkte
4. Schweden 2:4 Punkte